Wie Soft-Touch-Effekte bei Verpackungen tatsächlich erzielt werden
In der Verpackungsproduktion ist die Soft-Touch-Eigenschaft nicht auf ein einzelnes Verfahren beschränkt. Je nach Komponente, Substrat und gewünschter Haptik kann der Effekt durch Sprühbeschichtung, TPE-Umspritzung, Materialschichtdesign oder oberflächenbasierte Farbbehandlung erzielt werden.
Soft-Touch klingt zwar nach einer einheitlichen Oberflächenbehandlung, kann aber in der Produktion verschiedene Verfahren bezeichnen. Manche erzeugen eine stärkere, gummiartige Haptik, andere ein feineres und sanfteres haptisches Erlebnis. Einige basieren auf der Beschichtungschemie, andere sind direkt in die Materialstruktur integriert.
Aufsprühbare Soft-Touch-Beschichtungen
Bei vielen Verpackungsprojekten handelt es sich bei Soft-Touch im Wesentlichen um eine gummiartige Beschichtung, die im Sprühverfahren aufgebracht wird. Wie bei herkömmlichen Sprühdekorationen folgt sie einem festgelegten Produktionsprozess, das Endergebnis hängt jedoch wesentlich stärker vom Filmaufbau, dem Aushärtungsverhalten und der Rezeptur ab.
In der Praxis kommen zwei Sprühverfahren häufig zum Einsatz: traditionelle, einbrennbare Soft-Touch-Beschichtungen und UV-härtende elastische Beschichtungen.
Einbrennlacke mit weicher Haptik
Bei herkömmlichen Soft-Touch-Beschichtungen, die durch Einbrennen aufgebracht werden, ist üblicherweise ein relativ hoher Schichtaufbau erforderlich, um eine deutliche, gummiartige Haptik zu erzielen. In einem gängigen Verfahren wird eine Trockenfilmdicke von mindestens 35 μm angestrebt. Darauf folgt eine Ruhe- bzw. Nivellierungsphase von etwa 15 Minuten und anschließend eine Niedrigtemperaturhärtung bei ca. 60 °C für etwa 2 Stunden. Nach dem Trocknen entwickelt die Oberfläche die deutlichere, gummiartige Haptik.
Der haptische Effekt entsteht nicht allein durch die Farbe. Er resultiert aus der Art und Weise, wie sich die Beschichtung auf dem eigentlichen Bauteil aufbaut, absetzt und aushärtet.
UV-härtende, elastische Soft-Touch-Beschichtungen
UV-elastische Soft-Touch-Beschichtungen können durch einen anderen Aushärtungsprozess eine ähnliche Haptik erzeugen. Bei einem praktischen Ansatz wird der Sprühfilm ebenfalls auf mindestens 35 μm aufgetragen, gefolgt von einer kurzen Ruhezeit von etwa 5 bis 8 Minuten, bevor die Oberfläche direkt durch UV-Bestrahlung ausgehärtet wird.
Im Vergleich zu Einbrennverfahren liegt der Hauptunterschied nicht im angestrebten haptischen Ergebnis, sondern im Aushärtungsprozess. Das eine Verfahren basiert auf Nivellierung und anschließender thermischer Aushärtung, das andere auf einem kürzeren Nivellierungszeitraum mit anschließender UV-Aushärtung.
Was erzeugt das weiche Griffgefühl der Beschichtung selbst?
Bei beschichtungsbasierten Soft-Touch-Systemen wird die Haptik maßgeblich durch das Verhältnis von Harzen und flexibilisierenden Additiven in der Lackformulierung beeinflusst. Der haptische Effekt resultiert nicht allein aus der matten Optik, sondern aus dem Zusammenspiel von Beschichtungschemie, Elastizität, Filmbildung und Aushärtungsverhalten.
Aus diesem Grund sollte eine Soft-Touch-Oberfläche als prozessgesteuertes haptisches System und nicht als einfache Farbbeschichtung betrachtet werden. Eine Verpackung kann optisch ansprechend sein, aber dennoch nicht die gewünschte Haptik vermitteln, wenn der Beschichtungsaufbau, die Nivellierung oder die Aushärtung nicht stimmen.
TPE-Umspritzung für Soft-Touch-Teile
Neben der Sprühbeschichtung lässt sich eine Soft-Touch-Oberfläche auch durch TPE-Umspritzung von Spritzgussteilen erzielen. Dabei entsteht der weichere haptische Effekt durch das umspritzte Material selbst und nicht durch eine nachträglich aufgebrachte Lackschicht.
Dies ist ein anderer Entwicklungsansatz. Anstatt eine haptische Beschichtung auf die fertige Oberfläche aufzutragen, wird die Soft-Touch-Eigenschaft in die Struktur des Bauteils integriert. Aus Sicht der Verpackungstechnik handelt es sich somit um eine Material- und Strukturlösung und nicht nur um eine Dekorationslösung.
Materialbasierte, weiche Außenschichten
Bei manchen Verpackungsarten kann die Außenschicht selbst aus einem Soft-Touch-Material bestehen, sodass die Haptik direkt von der Materialschicht ausgeht. Sobald die Haptik in die Materialschicht integriert ist, kann sich die Oberfläche hinsichtlich Haptik und Leistung von einer Sprühbeschichtung unterscheiden.
Dies ist nicht einfach nur eine Beschichtungsalternative. Es handelt sich um einen anderen Prozessweg mit eigener Kostenstruktur, eigener Verarbeitungslogik und eigenem Handhabungsverhalten.
Soft-Touch-Materialien für Rohre
Bei Schlauchanwendungen kann der Soft-Touch-Effekt auch durch das Materialsystem selbst erzielt werden. Beispiele aus der Praxis sind Formulierungen wie PE Q300 + 1810G oder Basell PE Q300-F, wenn eine besonders weiche Haptik gewünscht ist.
Für die meisten Markeninhaber ist nicht der Harzcode selbst der wichtigste Aspekt. Entscheidender ist, dass bei einigen Schlauchprojekten der haptische Effekt durch das Harz selbst und nicht erst durch nachträgliche Bedruckung oder Beschichtung erzielt wird.
Soft-Touch-Tinten für Tuben und flexible Verpackungen
Für Tubenverpackungen können auch Soft-Touch-Tinten verwendet werden, um eine weichere und feinere Haptik zu erzielen. In der Praxis ist das haptische Erlebnis jedoch meist sanfter und weniger intensiv als bei speziell entwickelten Soft-Touch-Materialien.
Diese Unterscheidung ist in der Praxis entscheidend. Nicht jedes Projekt benötigt eine maximal gummiartige Haptik. Manche Marken wünschen sich lediglich eine dezente Verbesserung des Tastgefühls. In solchen Fällen kann eine tintenbasierte Lösung ausreichend sein. Soll jedoch ein stärkeres, deutlicheres Soft-Touch-Gefühl erzeugt werden, erzielen materialbasierte Lösungen in der Regel bessere Ergebnisse.
Nicht alle Soft-Touch-Lösungen fühlen sich gleich an
Unterschiedliche Soft-Touch-Verfahren erzeugen nicht exakt dasselbe haptische Erlebnis. In der praktischen Verpackungsentwicklung fühlen sich materialbasierte Soft-Touch-Strukturen oft angenehmer an als tintenbasierte Effekte, während beschichtungsbasierte Lösungen je nach Rezeptur, Filmaufbau und Auftragsqualität meist irgendwo dazwischen liegen.
Aus diesem Grund sollten Marken ein „Soft-Touch“-Konzept nicht allein aufgrund des Wortlauts genehmigen. Der tatsächliche Weg und das vorliegende Muster sind viel wichtiger als das Etikett selbst.
Technischer HinweisDie genauen Prozessbedingungen können je nach Rezeptur, Substrat, Ausrüstung, Linienbedingungen und Lieferantensystem variieren. Daher sollten die oben genannten Werte eher als praktische Referenzpunkte denn als universelle Produktionsstandards betrachtet werden.